Widerrufsrecht

Neues Verbraucherrecht
Der Verbraucher kennt das Widerrufsrecht schon aus anderen Bereichen, z. B. aus dem Online-Handel. Nach dem Willen der EU gilt dies nun auch für Maklerverträge, die mit Verbrauchern im Fernabsatz (E-Mail, Fax, Telefon, Internet etc.) oder außerhalb der Geschäftsräume des Unternehmers geschlossen werden (Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU).

Seit dem 13. Juni 2014 ist der Makler vom Gesetzgeber (BGBl. Teil I 2013 Nr. 58, S. 3642) verpflichtet, jeden Immobilieninteressenten über sein Widerrufsrecht zu belehren. Auch wenn der Interessent sich erst einmal unverbindlich informieren will, schließt er bereits einen Maklervertrag, wenn er die Leistung des Maklers (Informationen, Exposé, Besichtigung etc.) in Anspruch nehmen will und die Provisionspflicht bei Abschluss eines Miet- oder Kaufvertrages informiert wurde.

Was Sie als Kunde wissen sollten!

■ Ein Maklervertrag kommt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) bereits  
   zustande, wenn Sie sich bloß über das Objekt informieren wollen, Sie von der Provisionspflicht    
   wissen und die Dienste (Besichtigung, Exposé etc.) des Maklers in   Anspruch nehmen wollen   
   (BGH, Urt. V. 3.5.12 – III  62/11).
■ Sie müssen – wie bisher – nur dann eine Provision zahlen, wenn es zum Abschluss eines Miet-  
   oder   Kaufvertrages kommt und dies auf die Tätigkeit des Maklers zurückgeht.
■ Sie gehen keine weiteren Verpflichtungen ein, wenn Sie dem Makler den Erhalt der
   Widerrufsbelehrung bestätigen. Besichtigungen etc. werden – wie bisher – nicht abgerechnet.
   Wenn Sie sich die Immobilie also zunächst nur ansehen wollen, dann ist dies weiterhin    
   unverbindlich.
■ Sie als Interessent/Verbraucher haben das Recht, den Maklervertrag innerhalb von 14 Tagen zu
   widerrufen.
■ Sollten Sie nach der Besichtigung letztlich kein  Interesse an dem Objekt haben, müssen Sie –
   wie bisher – nichts weiter unternehmen, also auch nicht widerrufen. Ihr Makler wird Ihnen keine
   Rechnung stellen.
■ Ihr Makler kann das Widerrufsrecht nicht ausschließen und Sie können nicht darauf verzichten,
   da Sie beide an die Vorschriften gesetzlich gebunden sind. Hat der Makler seine Leistung
   vollständig erbracht, können Sie Ihr Widerrufsrecht vor Ablauf der Widerrufsfrist von 14 Tagen
   verlieren (§ 356 Abs. 4 BGB n.F.). Seine Leistung ist vollständig erbracht, wenn er Ihnen „die
   Gelegenheit zum Abschluss eines Hauptvertrages vermittelt oder nachgewiesen“ hat (§ 652
   BGB) oder anders formuliert, Sie den Miet- oder Kaufvertrag verhandelt haben und abschließen   
   können.
■ Der Wortlaut der Widerrufsbelehrung geht auf das Gesetz zurück (BGBl. Teil I 2013 Nr. 58, S.
   3642). Ihr Makler hat hierauf keinen Einfluss. Auch die optionalen Erklärungen zum Wertersatz
   und zum vorzeitigen Erlöschen orientieren sich eng am Gesetzes wortlaut des Bürgerlichen
   Gesetzbuches (§§ 356 Abs. 4, 357 Abs. 8 BGB). Möchte Ihr Makler ein Einverständnis zur
   Widerrufsbelehrung, bevor er für Sie tätig wird, dann gehen Sie damit keine gesonderte
   Vereinbarung ein.
■ Wenn Sie die Erfahrung gemacht haben, dass Sie ein anderer Makler nicht belehrt hat, dann liegt
   das daran, dass die Regelungen noch neu sind und Ihr IVD-Makler schon einen Schritt weiter ist.
■ Haben Sie Zweifel? Fragen Sie bei Ihrer Verbraucherzentrale oder dem IVD-Bundesverband
   nach und holen Sie eine neutrale Meinung ein.

Wer ist noch betroffen?

Das Verbraucherwiderrufsrecht gilt nicht nur für Maklerverträge, sondern auch für eine Vielzahl von anderen Verträgen im Immobilienbereich. Sachverständigen- bzw. Gutachterverträge und mietrechtliche Vereinbarungen sind ebenfalls widerrufbar, der Wohnungsmietvertrag dagegen nur, soweit keine Besichtigung stattgefunden hat.


Immobilienverband IVD